Archiv für den Monat: Oktober 2013

Mirko Slomka: „Wir waren zu leidenschaftlich.“

Mirko Slomka, Trainer von Bundesligist Hannover 96, im Interview nach der 1:4 Heimniederlage gegen Hoffenheim. Slomka: „Wir waren zu leidenschaftlich.“
Auf den ersten Blick verspricht diese Aussage keinen sonderlich großen Diskussionsstoff. Blickt man jedoch auf das verlorene Heimspiel der „Slomka – Elf“ zurück, lässt sich diese Aussage etwas anders interpretieren.

Hannover gegen Hoffenheim, Neun gegen Elf

Schaut man nach Abpfiff in die Gesichter der neun Akteure von Hannover 96, sieht man Enttäuschung pur. Zu einem Schuld daran die eigene Leistung, mit der man ein Bundesligaspiel vor heimischen Publikum gegen einen Gegner auf Augenhöhe (deutlich) verlor, zum anderen Schuld daran die Leistung des Unparteiischen. Dieser zeigte nach 10 Minuten auf den ominösen Punkt und leitete somit eine hitzige Partie sowie die Niederlage der Hannoveraner ein.

Zu allem Überfluss war der gerade wiedergenesene Topstürmer auf Seiten der „Slomka – Elf“, Mame Diouf, mit der Elfmeterentscheidung nicht einverstanden und teilte dies dem Schiedsrichter deutlich mit. Die Folge war eine Verwarnung von Diouf noch vor dem Wiederanstoß in der 10. Minute. Nur knappe 120 Sekunden später kam der eben verwarnte Mame Diouf im Strafraum durch leichten Gegnerkontakt zu Fall.

Schiedsrichter Tobias Stieler entschied auf Schwalbe und zog die schnellste Ampelkarte der Bundesligageschichte. 12 Minuten gespielt, 0:1 in Rückstand und 10 gegen 11 – Hannover stand nun mit dem Rücken zur Wand. Die Folge war ein weiterer unbedeutender roter Karton für Hannovers Marcelo und eine herbe 1:4 Niederlage gegen Hoffenheim.

Zu viel Leidenschaft der Slomka-Elf?

Keine technische oder taktische Finesse, sei sie noch so gut, schlägt ein Team, das mit Leidenschaft Fußball spielt. Solche oder ähnliche Aussagen hört man nur zu oft – mit Recht. Leidenschaft und Einsatz sind im Fußballsport die Grundtugenden auf die sich selbst auf höchstem Niveau berufen werden muss. Bezieht man sich mit diesem Hintergrund auf die Aussage von Mirko Slomka, lässt sich hier die Kritik und der Ärger über die Schiedsrichterleistung des Tages erkennen.

Kein Trainer wirft seinem Team zu viel Leidenschaft vor, denn Leidenschaft verursacht keine Elfmeter oder Platzverweise – Slomka urteilt hier sarkastisch über Referee Stieler und überspitzt die Situation. Die Aktionen, die zu den Entscheidungen des Schiedsrichters führten, können natürlich aus den unterschiedlichen Blickwinkeln, differenziert aufgefasst werden. Fest steht jedoch, dass es sich um sehr strittige Entscheidungen handelt, die Mirko Slomka aus seiner Perspektive des Verlierers, natürlich mit Recht kritisch bewerten darf.

Ob eine gewisse Nervosität beim jungen Schiedsrichter aufgrund der jüngsten Geschehnisse rund um das Phantomtor und Hoffenheim vorlag, bleibt reine Spekulation, die wiederum Slomka aufgriff: „Ich hatte das Gefühl, dass der Schiedsrichter eine gewisse Nervosität an den Tag gelegt hat und ein wenig unter Druck stand nach dem letzten Wochenende. Das haben wir sehr deutlich zu spüren bekommen.“

Anhand dieser Aussagen zeigt sich, welche Kreise das Phantomtor der letzten Woche zieht und welche Auswirkungen noch auf die Bundesliga und andere Ligen der Welt zu kommen. Ist die Einführung der Torlinientechnik nicht ein Muss, um ähnliche Spekulationen und Folgen zu unterdrücken?

Schlagworte: Mirko Slomka, Hannover 96, Tobias Stieler, Mame Diouf, Hoffenheim, Phantomtor

Dieter Hecking: “Ich ziehe den Hut vor Diego”

Dieter Hecking im kicker-Interview über seinen Spieler Diego. Hecking: “Ich ziehe den Hut vor Diego”
Nach zwei Siegen und zwei Niederlagen zum Start in die Bundesliga-Saison 2013/14 sieht Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking noch Steigerungspotenzial im Verein und insbesondere in seiner Mannschaft.

Diego ist reifer geworden

Über seinen etwas besonderen Spieler Diego spricht der Übungsleiter im Gespräch mit Thomas Hiete in den höchsten Tönen, so lesen sich seine Aussagen „ich ziehe den Hut vor Diego“ oder „er ist hochprofessionell“ wie die Worte über einen anderen Akteur, nicht den immer wieder zweifelhaft auffallenden Brasilianer.
Darauf angesprochen wünscht sich Hecking gar, dass der 28-Jährige verlängert und verrät, dass demnächst positiv erwartete Gespräche geführt werden sollen.

Nach Ansicht des VfL-Trainers hat der Spielmacher, dessen Vertrag 2014 ausläuft, zu seinen spielerischen Qualitäten vor allem in Bezug auf seine Persönlichkeit deutliche Fortschritte erzielt: “Ich finde, Diego hat einen richtig guten Weg gefunden, mit den vielen Fouls und Provokationen seiner Gegenspieler umzugehen. Er ist deutlich reifer und ruhiger geworden.”

Wieso trifft Hecking diese Aussagen?

Hier muss deutlich zwischen drei Fällen unterschieden werden. Womöglich hat sich Diego in der bisherigen Amtszeit unter dem Übungsleiter so positiv entwickelt oder ein so zusagendes Bild von sich präsentiert, dass die äußerst wohlwollend formulierten Worte von Hecking eine ehrliche Einschätzung vom Verhalten des Brasilianers widerspiegeln.

Eventuell war die öffentliche Wahrnehmung des Ausnahmespielers aber auch viel zu negativ geprägt. Immerhin lieferte Diego in Diensten von Werder Bremen stabil hervorragende Leistungen ab und geriet kaum in unartige Schlagzeilen.

Die wenigen Situationen wie 2011 die Flucht aus dem Mannschaftshotel bei Nichtnominierung für die Startelf (beim VfL unter Felix Magath) bestimmten unter Umständen das wahrgenommene Bild des reichen und gelegentlich aufbrausenden Mittelfeldakteurs. Hecking könnte durch seine gezielten Aussagen lediglich versucht haben dieses Bild zurechtzurücken.

Oder aber der VfL-Trainer wollte in die psychologische Trickkiste greifen und mit bewusst positiv-lobenden Aussagen gar keine negativen Tendenzen aufkommen lassen, für Zufriedenheit und Rückhalt bei seinem Ausnamekönner sorgen und auch dadurch trotz eines unzureichenden Saisonstarts nach außen hin ein ansprechendes Abbild darstellen.

Hecking nimmt Diego den Druck

Außerdem nimmt Hecking dadurch Druck von Diego, der sich nicht mehr superartig beweisen muss – der Übungsleiter überträgt mit einem Trick sogar Druck auf die Schiedsrichter („Diego hat einen richtig guten Weg gefunden, mit den vielen Fouls und Provokationen seiner Gegenspieler umzugehen“) und lenkt die Aufmerksamkeit auf Aktionen, die gezielt versuchen seinen Spielmacher in negatives Licht zu setzen.

Wie dem auch sei, die fußballerischen Qualitäten von Diego kann jedes Team gut gebrauchen. Der weitere (Saison-)Verlauf wird vermutlich zeigen, welche Variante der Realität am nächsten kommt.

Von Dominik Langenegger